|
Die Erziehung eines Welpens ist keine schwierige Aufgabe, wenn der Mensch das angeborene Verhalten des Hundes kennt und berücksichtigt. Ebenso wichtig ist es, auf die individuelle Wesensart des einzelnen Tieres einzugehen. Sicherlich sind einige Verhaltensarten Rasse bedingt, aber der Kern des Hundeverhaltens ist immer der gleiche. Dann kommt die individuelle Art jedes Tieres, die angeboren ist, hinzu.
So gibt es die sanftmütigen, die anhänglichen, die verschmusten Individuen, die leichter zu lenken sind, da sie auch unterwerflich sind. Ein Tier mit diesen Charaktereigenschaften wird ein liebevoller Familienhund werden, einer zum Liebhaben. Er wird aber nicht unbedingt Haus und Hof bewachen und verteidigen sondern sich über jeden Besuch freuen. Diese Eigenschaft ist sicherlich wünschenswert in Familien mit Kindern. Solch ein Hund kann auch bedenkenlos von Kindern mitgeführt werden.
Die meisten Hunde werden im Bereich der Mitte anzusiedeln sein. Sie sind neugierig, eigenständig, aber trotzdem anpassungsfähig. Sie testen aus, wo sie im Rudel stehen, akzeptieren aber problemlos die Unterordnung, solange man sie ihnen konsequent zuweist. Sie sind allgemein gute Begleithunde für jede Art Haltung.
Einige Hunde sind von Geburt an Leittiere – Alpha-Hunde. Diese Tiere sind bereits in der Welpenphase zu erkennen. Sie sind häufig etwas abseits vom großen Getümmel ihrer Geschwister, beschäftigen sich für sich allein und weisen Geschwister, die beim Spielen und Toben über sie herfallen, gelegentlich auch mit Fletschen und Schnappen zurecht. Bei der Fütterung ist auffällig, dass sie sich an dem allgemeinen Gefiepe, Gejaule und Gezappel nicht beteiligen. Sie sitzen gelassen in der zweiten Reihe, absolut überzeugt, dass sie auch ohne Theater ihr Futter bekommen. Ein Alpha-Hund ist nur geeignet für passionierte Hundeliebhaber und –kenner. Er wird sich seinem Besitzer nur aus Liebe unterordnen und benötigt eine akzeptable Portion Recht auf Eigenständigkeit. So ein Tier ist eine große Herausforderung an den Besitzer, der ein hohes Maß an Verantwortung tragen muß, damit sein Hund kein gefährlicher Hund für sein Umfeld wird. Daher sollte der Besitzer ebenfalls eine selbstbewusste, tolerante Person sein. Traurig wird es für ein Alpha-Tier, wenn es an einen Menschen gerät, der seine Macht beweisen muß in der Unterwerfung seines Hundes. Hier geht die Haltung dann meistens auch schlecht aus – für den Hund allemal schlecht, aber häufig auch mit der Gefährdung anderer Menschen.
Ich gebe mir größte Mühe, bei der Vermittlung unserer Welpen, die richtige Empfehlung zu geben, welcher Hund sich für welche Person oder Familie eignet.
Meine Methode und Ratschläge zur Erziehung eines Hundes sind für alle Hunde allgemein anzuwenden, beachten Sie aber bitte zusätzlich meine Verhaltensbeschreibung für unsere Hunde, die noch ein sehr ursprüngliches Hundewesen haben und nicht grundsätzlich mit den über Generationen hinweg als Haushunde gezüchteten Rassen gleich zu setzen sind.
Lesen Sie nun, welche Verhaltensregeln der Hunde- und Menschenwelt der Hundebesitzer beachten sollte, um seinen Hund richtig zu erziehen, damit die Haltung eines Hundes zur Freude aller wird.
Rangordnung
Der Hund lebt als Rudeltier. Der Haushund betrachtet seine Menschenfamilie als Rudel. In einem Rudel herrscht eine strenge Rangordnung. Bedenken Sie, dass der Hund keine Demokratie kennt! Bei aller Liebe und Verständnis für die Vorlieben Ihres Hundes müssen Sie ihm unmissverständlich seinen Platz zuweisen – das ist in der Menschenfamilie immer der Rangletzte. Das Familienoberhaupt, dem der Hund sich problemlos unterordnet, muß dafür sorgen, dass er auch den anderen Familienmitgliedern gehorcht. Besser ist es natürlich, wenn jedes Familienmitglied selbst dies dem Hund begreiflich macht, indem es sich durchsetzt. Dies wird ein Kind aber vielleicht nicht können, so greift der „Leitmensch“ ein und setzt die Befolgung einer Anweisung durch.
Beispiel: Ein Kind ruft den Hund. Der Hund reagiert nicht. Das Kind ist nicht in der Lage, den Hund nun selbst zum Kommen zu bringen - so packt der Leitmensch den Hund und zerrt ihn zum Kind, indem er den ausgesprochenen Befehl des Kindes wiederholt. Selbstverständlich sollte der Hund nur ernsthaft gerufen werden – er sollte nicht zur Marionette gemacht werden aus Spielerei heraus.
Die Gehorsamkeit
Bestimmten Anordnungen muß der Hund folgen, sonst ist die Haltung von Streß geprägt. Die Grundbegriffe sollte er innerhalb von wenigen Wochen lernen – er kann es – gefragt ist das Einfühlungsvermögen seines Menschen. Denken Sie einfach und handeln Sie für den Hund logisch nachvollziehbar. Da wir leider nicht die gleiche Sprache sprechen, müssen wir eine andere Art der Verständigung finden. Wir drücken uns mit dem Tonfall und der Gestik aus.
Lautstärke haßt der Hund, damit können Sie ihn strafen. Geben Sie Ihre Anordnungen leise gesprochen – er hat ein sehr gutes Gehör! Wenn Sie laut werden, weiß er dann, daß Sie sauer sind, zeigen Sie ihm Ihre Verärgerung durch lautes Schimpfen.
Das erste Wort, das der Hund lernt ist „NEIN“ – scharf und kurz ausgesprochen – laut oder bedrohlich.. Wann immer der Welpe etwas macht, das man nicht wünscht , hört er dieses Wort in Verbindung mit einem Wegnehmen und einem kleinen Klapps auf die Schnauze oder das Hinterteil. Oft werden Sie zu hören bekommen, daß Sie Ihren Hund nicht mit der Hand klappsen dürfen. Ich halte das für unsinnig – die Hündin straft ihre Kleinen auch mit direkter Berührung, trotzdem lieben die Welpen sie und haben Respekt vor ihr. Außerdem muß man spontan und schnell reagieren können, da kann man nicht erst nach einer aufgerollten Zeitung oder ähnlichem Suchen.
Beispiel: Der Welpe hat sich einen Schuh geholt, den er auseinander nehmen will. Gehen Sie bestimmt auf ihn zu und schimpfen Sie, packen Sie ihn im Nacken und nehmen Sie den Schuh weg – ohne zu zögern! Dann halten Sie ihm den Schuh vor die Nase und schimpfen noch ein wenig weiter mit scharfem Nein. Der Schuh wird weggebracht – und ein Hundespielzeug geholt, das geben Sie ihm und reden ihm sanft zu, holen Sie den Schuh wieder, zeigen Sie ihm diesen mit Schimpfen „nein, nein, nein!“ und geben ihm wieder unter sanften Tönen und Streicheln sein Spielzeug. Er begreift das sehr schnell. Kommen Sie nicht auf die Idee, ihm einen alten Schuh zu geben – er kann nicht zwischen neu und alt unterscheiden!
Es wird nicht lange dauern und der Hund weiß sofort, daß er etwas Unerwünschtes tut, wenn er ein NEIN hört.
Fortsetzung folgt …. Wir sind erst einmal wieder in Marokko!
|